Fortsetzung 2011, im Wahljahr

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Der kurdische Knoten*

Workshop Frauenbewegung
Workshop zur Geschichte der Frauenbewegung in der Türkei auf dem 1. Mesopotamischem Sozialforum im September 2009 in Diyarbakir
Diskussionsveranstaltung mit Brigitte Kiechle, Rechtsanwältin und Autorin, Interventionistische Linke Karlsruhe (in Gründung).

Freitag, 19. November 2010, 19.30 Uhr
Naturfreundehaus Köln-Kalk
Kapellenstraße 9a (U-Bahn Kalk Kapelle, Linien 1 und 9)
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Wasser als Waffe und Ware


Informationsabend zum Ilisu-Staudamm (Südost-Türkei)

Dienstag 13. Juli, 19.30 Uhr
Naturfreundehaus Köln Kalk, Kapellenstraße 9a
(U-Bahn Kalk Kapelle, Linien 1 und 9)
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Eine Reise, ein Film, ein Buch (letzter Eintrag)


Newroz in Amed/Diyarbakır, 21. März 2010, Teekannen.

Jetzt im Kino: Min Dît – Die Kinder von Diyarbakır. Realismus und Utopie überlagern sich, ermutigend und gleichzeitig ernüchternd. Kein gutes Ende, nur etwas Hoffnung gepaart mit erneuter Verstörung. Und die Frage, ob und wie Unterdrückung ohne Vergeltung bekämpft werden kann. Ende März in Van waren mir die großen Werbeplakate mit dem kurdischsprachigen Titel aufgefallen, das wäre bei meinem ersten Besuch 2006 noch nicht möglich gewesen. Der Regisseur Miraz Bezar konnte für seinen Film den unbestimmten und prekären Freiraum nutzen, der in den letzten Jahren in der Türkei in Bezug auf die kurdische Frage entstanden ist.

Und zum Schluß: „(…) Für alle, die sich mit der Thematik Türkei und Kurdistan beschäftigen oder einen Einstieg suchen, ist dieses Buch sehr zu empfehlen.“

Infoveranstaltung Kurdistan, 5.2.2010

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Von Amed nach Hakkari


Gespräch mit den Frauen im kurdischen Dorf Marina (türkisch: Eskihisar) nahe der syrischen Grenze. Es wurde 1993 vom Militär zerstört, weil es sich geweigert hatte zum Dorfschützerdorf zu werden. Mehr dazu im Reisebericht unten.

Ende September war ich beim 1. Mesopotamischen Sozialforum (MSF) in Diyarbakir und beim gleichzeitig stattfindenden internationalen Amed-Camp (Amed ist der kurdische Name für Diyarbakir). Hier mein Bericht (PDF) und meine Fotos.

Danach war ich eine Woche im äußeren Südosten der Türkei an der Grenze zu Syrien und Irak unterwegs. Hier der ausführliche Bericht einer Mitreisenden:

„Nach dem Sozialforum fuhren wir mit acht Leuten aus Deutschland und einem vom IHD Diyarbakir auf eine Delegationsreise nach Mardin, Nusaybin, Sirnak, Uludere, Hakkari und über Van wieder zurück nach Diyarbakir. Es war auch jemand vom Komitee für Grundrechte und Demokratie dabei, die Idee war, die beiden Menschenrechtsvereine mmehr zu vernetzen und für das Komitee einen Delegationsbericht zu schreiben. (mehr…)

Einladung zum Reisebericht


Abendstimmung in Van, Mai 2006

Freitag, 28. August 2009, 19 Uhr, Naturfreundehaus Köln-Kalk (U Bahn-Kalk Kapelle, Linien 1 und 9). An diesem Abend werde ich über Land, Leute und die Probleme der Kurden mit dem türkischen Staat berichten.

Diyarbakir – İstanbul – Köln

Heute fahre ich mit dem Bummelzug 36 Stunden quer durch Anatolien. Noch vier Wochen in İstanbul und schon am 13. Juni bin ich wieder in Köln. İn den letzten zwei Monaten habe ich mehr von den vorwiegend kurdisch bewohnten Gebieten der Türkei gesehen als die meisten der einheimischen Freunde. Es gibt einiges zu berichten* und neue Fragen.

Lebensfreude und Leid liegen hier nah beeinander. İn der schlimmsten Kriegszeit von 1984 bis 1999 gab es mehr als 40.000 Tote, viele Tausend zerstörte Dörfer und Millionen Vertriebene, Tausende Gefolterte und Verschwundene. Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe im Jahr 2006 sind über 2.000 Menschen bei Gefechten zwischen der PKK-Guerilla und dem türkischen Militär ums Leben gekommen. Die Gegend gleicht immer noch einem besetzten Land, in den Stadtvierteln und Dörfern gibt es viel schwerbewaffnetes Militär und Polizei.

Als Folge von Krieg und Armut leben 5 Millionen Kurden in İstanbul und 800.000 in Deutschland. Die kurdische Metropole Diyarbakir ist seit 1990 von 400.000 auf 1,5 Millionen Einwohner gewachsen, die Arbeitslosigkeit liegt dort bei 80 Prozent. Es gibt ca. 5.000 kurdische politische Gefangene, viele der Freunde hier waren lange im Gefängnis. Die ganze Region ist traumatisiert, in jeder Familie finden sich Opfer des Konfliktes.

Viele Menschen sind politisch sehr engagiert, die Mentalität ist im Guten wie im Schlechten durch den Krieg geprägt. Die 2,3 Millionen Stimmen für die kurdische „Partei für eine demokratische Gesellschaft“ (DTP) bei den Kommunalwahlen waren Stimmen für die politischen Ziele der PKK, das heißt für eine friedliche, demokratische Lösung des Konflikts. Und bei der Newroz-Feier am 21. März haben allein in Diyarbakir bis zu 1,5 Millionen Menschen der Grußadresse des PKK-Gründers Abdullah Öcalan zugejubelt. Eine derart große und vielfältige Volksbewegung als „Terrorismusproblem“ zu behandeln ist offensichtlicher Unfug. Gerade tut sich aber einiges, schnelle Änderungen sind möglich. Hoffentlich zum Guten.

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Zur Kommunalwahl vom 29. März hatte ich einen Artikel geschrieben. Meine Mitreisenden Brigitte und Nick schreiben ein kluges Buch („Der kurdische Knoten „), Frühjahr 2010). Daraus der Abschnitt über die kurdische Politikerin Leyla Zana (PDF). Bei der Newroz-Feier in Diyarbakir sagte sie „Wir lieben nicht die Waffen, sondern die Freiheit“.

* Freitag, 28. August, 19 Uhr, Naturfreundehaus Köln-Kalk (Kapellenstraße 9a, U Bahn Kalk Kapelle, Linien 1 und 9)

Çayönü, ein mythischer Ort für Sozialisten


Grundmauern der Siedlung. İn den Felsen im Hintergrund befinden sich die Tempelhöhlen, die in Bernhard Brosius‘ Aufsatz erwähnt werden.

Gestern Ausflug zur archäologischen Fundstätte Çayönü. Der Ort liegt sehr idyllisch an einem Tigris-Zufluß, ich habe eine wilde Schildkröte und ein Felsenkamel gesehen. Bernhard Brosius erklärt in seinem Aufsatz Von Çayönü nach Catal Hüyük, daß es hier vor 9.200 Jahren eine soziale Revolution gegen eine sehr blutige Herrschaft gab: „Es entsteht eine klassenlose, egalitäre Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind, – eine Gesellschaft, die sich in kürzester Zeit über ganz Anatolien und nahezu gleichzeitig den Balkan ausbreitet und 3.000 Jahre lang Bestand hat.“

Und unser Freund Mehmet ist seit gestern nach 18 Monaten Gefängnis wieder zu Hause in der Freiheit. Hoş geldin, herzlich willkommen!

Sonnendeck

Seereise Tatvan-Van
Überfahrt von Tatvan nach Van am letzten Donnerstag (Link zu den Fotos)

Vier Tage war ich bei Freunden in Van, in einem riesengroßen Apfelgarten, in einem idyllischen Gecekondu nahe am See.

Auf der Rückfahrt im Bus die Fernsehnachrichten zu Bilgeköy/Mardin. Vielleicht* ging es da um einen archaischen Begriff von Familienehre, aber in ihrem Ausmaß gehört die Tat ebenso zur Moderne** wie die westlichen Amokläufe und Kriegsmassaker. Ein Weltunglück, nicht weit entfernt.

* zum „vielleicht“ Daniel Steinvorth
** siehe auch Jürgen Gottschlich

„Die Revolution der Frauen ist eine Revolution der Rosen“ *

Frauenkooperative Baglar
Arbeitsbesprechung in der Kooperative. Auf dem Plakat steht unter anderem „Wir werden die Ehre von niemandem sein“, das bezieht sich auf die Morde an Frauen für die sogenannte Familienehre.

Gestern habe ich die Frauenkooperative in Baglar besucht. Dies ist mit ca. 350.000 Einwohnern der größte Stadtteil Diyarbakirs, viele Menschen aus den im Krieg der 90er Jahre zerstörten Dörfern leben hier. Die Kooperative unterstützt die Bildung von Jugendlichen und Kindern durch Kurse, die von Lehrern ehrenamtlich abgehalten werden. Zur Finanzierung wird eine Küche betrieben, drei Köchinnen sind dafür fest angestellt. Die Kooperative sieht sich als Teil der kurdischen Frauenbewegung. Mit dieser bin ich am letzten Mittwoch in einer lautstarken Demonstration zum Gefängnis gelaufen, in dem sich 22 der kürzlich verhafteten DTP-Frauen befinden. Hier noch ein Lied der PKK-Guerilla, in der die Frauen auch eine besondere Rolle spielen.

* auf türkisch „Kadin devrim gül devrimidir“, das hat der seit 1999 auf der Gefängnisinsel İmrali inhaftierte kurdische Politiker Abdullah Öcalan gesagt.

Mardin und Savur

Link zu den Fotos (unbearbeitet)

Von Donnerstag bis Samstag war ich in Mardin und Savur. Schon ziemlich arabisch dort, in Savur 80 Prozent der Bevölkerung. Die antiken Festungen auf den Gipfeln der beiden Städte sind natürlich militärisches Sperrgebiet.

1984 revisited

Diyarbakir E Typ Gefängnis
Gefängnis in Diyarbakir. BIR OKUL ON CEZAEVİ KAPATTİRİR bedeutet
„Eine Schule läßt 10 Gefängnisse schließen.“

Mitten in der Stadt liegt das zentrale Gefängnis (E Tipi Cezaevi). İn den 80ern und 90ern wurden hier politische Gefangene systematisch gefoltert, Zustände wie in den Militärdiktaturen Chiles und Argentiniens der 70er Jahre. Heute sind hier vor allem nicht-politische männliche Gefangene und Frauen aus der kurdischen Bewegung und der Linken inhaftiert, insgesamt ca. 1500 Menschen. Gefoltert wird in der Türkei auch heute noch. Zur Verhöhnung der Gefangenen hat der Staat sieben Sinnsprüche auf die Mauern geschrieben: (mehr…)

Pitch black *


Der kathedralenartige Eingangsbereich der zweiten Höhle. Am Eingang finden sich sumerische Schriftzeichen aus der Zeit als hier Menschen wohnten.

Gestern Ausflug mit Han zu den Höhlen nördlich von Lice. Aus der ersten Höhle entspringt ein Zufluß des Tigris. Sie führt nach altem Wissen zum Tor in eine andere Welt. Aufregend wurde es, als nach einer stillen Viertelstunde mit abgeschalteter Lampe in vollkommener Dunkelheit mein Begleiter kurzzeitig nicht mehr in Rufweite war. Später haben wir in Kocaköy am Rande der bis nach Bagdad reichenden mesopotamischen Ebene einen uralten (vor-)christlichen Friedhof besichtigt.

* „It is pitch black. You are likely to be eaten by a grue“, so wird man hier in einer derart misslichen Lage gewarnt.

Ein kluges Wort und schon bist Du Terrorist

Hasankeyf 2006
Unser Besuch in Hasankeyf im April 2006. Der antiken Stadt droht die komplette Überflutung.

„Die Absage der Kreditversprechen kam am Ende der Kampagne einer Terrororganisation.“ sagte der türkische Premierminister Erdoğan am Dienstag gegenüber der Süddeutschen Zeitung zum möglichen Scheitern des Ilisu-Staudamm-Projektes. Am 6. Juli läuft das Ultimatum an die Türkei ab. Dann müssen sich Deutschland, Österreich und die Schweiz endgültig entscheiden, ob sie Ilisu unterstützen. Zur Sicherheit werde ich in der übernächsten Woche noch einmal Hasankeyf besuchen, das ist nur zwei (orientalische) Stunden von Diyarbakir entfernt.

Alltag in Diyarbakir, Fortsetzung

Nach der größten Verhaftungswelle gegen eine legale kurdische Partei seit 20 Jahren fühlt man sich hier wie in einer Ruhe vor dem Sturm. Keiner kann sagen was jetzt passieren wird.
Die Weltwirtschaftskrise trifft die Türkei besonders hart: 2008 ist die offizielle Arbeitslosigkeit um 1,59 auf 3,65 Millionen angestiegen. Die Zahlen wurden erst in dieser Woche veröffentlicht und machen jetzt Schlagzeilen.
Ansonsten ist mein Großstadt-Alltag hier auf erfreuliche Weise unspektakulär: Tee trinken mit Freunden (zum Beispiel im Orman Park), Katzen-Mau-Mau und Volleyball mit den Kindern spielen, auf der 5,5 km langen Basalt-Stadtmauer um die Altstadt herumlaufen und auf das Tigris-Tal schauen, viel lesen, türkisch und inzwischen auch kurdisch lernen (zwei Abende in der Woche, doch noch mal auf einer Schulbank sitzen).

Alltag in Diyarbakir


Kundgebung gestern vor dem DTP-Büro. „If I can‘t dance I don‘t want to be in your revolution“ soll die amerikanische Anarchistin und Feministin Emma Goldman gesagt haben. Tanzen ist hier kein Problem, aber der Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen braucht noch viel Kraft und Geduld.

Auch hier wurde gegen die landesweiten Razzien und Verhaftungen protestiert, wir zogen mit ca. 10.000 Leuten am frühen Mittwochnachmittag friedlich quer durch die Stadt. Offenbar hat Regierungschef Erdogan der Wahlerfolg der DTP bei den Kommunalwahlen am 29. März sehr geärgert. Wenn Demokratie nicht funktioniert hilft die Polizei!

Kleine Erholung vom Urlaub

Aspendos
İm Theater von Aspendos (römisch, 2. Jahrhundert)

İn Side bei Antalya hatte ich bis Samstag vier Tage Sonne und Meer in angenehmster Gesellschaft. Jetzt bin ich wieder zurück in Diyarbakır.

Von Ağrı nach Muş

Ä°n den Bergen bei Varto
Gestern in den Bergen in der Nähe von Varto: Brigitte, Nick
und Ulf (gerade nicht im Bild)

Nach dem verlängerten Aufenthalt in Ağrı (inklusive unfreundlicher Festnahme durch die Polizei am Freitag) fahren wir weiter nach Muş. İn den Bergen liegt noch Schnee aber in der (Hoch-)Ebene wird es ganz schnell sehr grün. Am Sonntag machen wir einen sehr schönen Ausflug in das Heimatdorf eines Freundes aus Deutschland und sind dort bei der Familie zu Gast.

Noch ein paar Gründe die NATO schlecht zu finden

Hier in Nordkurdistan/Osttürkei können wir die Folgen der NATO-Politik unmittelbar erkennen. Die ganze Region ist durchmilitarisiert. Die türkische NATO-Armee hat in den 90er Jahren Tausende Dörfer zerstört und zehntausende Menschen ermordet. Tausende „Verschwundene“ wurden durch die NATO-Konterguerilla Gladio massakriert. Nordkurdistan dient der NATO als das neben Israel wichtigste Sprungbrett in den Nahen und Mittleren Osten. Hier befindet sich strategische Infrastruktur für die Kriege im Nahen Osten und Zentralasien wie die Airbase Incirlik bei Adana, Militärflughäfen in Batman und Diyarbakir sowie Spionageposten entlang der syrischen, irakischen und iranischen Grenze. Die geostrategische Bedeutung Kurdistans liegt auch in Energiequellen wie Wasser und Öl sowie den über kurdisches Siedlungsgebiet verlaufenden Öl- und Gaspipelines aus dem Kaukasus und dem Irak. Im Rahmen der NATO ist es die Aufgabe der Türkei, die Energieversorgung der NATO-Staaten zu sichern und die Festung Europa vor Flüchtlingen als Opfern der westlichen Wirtschafts- und Kriegspolitik abzusichern.
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In Ağrı reißt der Geduldsfaden


Räumung des DTP-Wahlbüros, in das sich auch viele ältere Menschen und Frauen geflüchtet hatten. Geschlagen werden fast alle, es gab dutzende Verletzte, acht davon schwer. Die Videos bei YouTube sind auch in High Quality (HQ) verfügbar.

Seit Montag wird in Ağrı (Provinz Ararat) gegen den Wahlbetrug protestiert. Eine friedliche Kundgebung von mehreren tausend Leuten wartete gestern auf das Ergebnis der Beschwerde bei der Wahlbehörde, dann kam es zu schweren Straßenkämpfen mit vielen Verletzten. Wir konnten vieles dokumentieren, ausführlicher Bericht mit Fotos und weiteren Videos hier.

Doğubeyazıt und zurück

İshak Paşa Sarayı mit Nick Brauns
Unser fünfter Mitstreiter Nick Brauns vor dem İshak Paşa Sarayı in Doğubeyazıt (hier sein Artikel zur Kommunalwahl am letzten Sonntag in der Tageszeitung „junge Welt“)

Nach einem eher touristischen Tag in Doğubeyazıt direkt am Fuße des Ararat (mit einer schönen kleinen Bergwanderung) fahren wir in die Provinzhauptstadt Ağrı um die Ereignisse nach dem dortigen Wahlbetrug zu beobachten.

Wahlbeobachtung in Patnos, Ararat

Unsere Delegation
Unsere Delegation (die vier Personen rechts, Nick Brauns fehlt auf dem Bild)

Kommunalwahlen am 29. März 2009, Presseerklärung der Wahlbeobachterdelegation aus Patnos, Provinz Agri (Ararat):
DTP siegt trotz massiver Wahlmanipulationsversuche von Staat und Armee

Trotz massiver Manipulationsversuche durch staatliche und staatsnahe Kräfte siegte in der Stadt Patnos (Provinz Agri) der Bürgermeisterkandidat Yussuf Yilmaz von der kurdischen Partei für eine Demokratische Gesellschaft DTP. Damit stellt die DTP erstmals den Bürgermeister in dieser die letzten Jahre von der Demokratischen Partei (DP) regierten Stadt. Die DP, die sich auf die örtlichen Großgrundbesitzer und Mafiastrukturen stützt, wurde zweitstärkste Partei, gefolgt von den islamischen Parteien AKP und Sadet. Der Sieg der DTP ist umso bemerkenswerter, da die staatsnahen Parteien und die Armee alles unternahm, um die Wahl zuungunsten der kurdischen Partei zu beeinflussen. Direkt in Patnos mit rund 100.000 Einwohnern befindet sich eine Garnison mit 10.000 Soldaten.
Folgende Beobachtungen konnte unsere Delegation, die zusammen mit der örtlichen Wahlkommission der DTP während des gesamten Wahltages und zur anschließenden Stimmauszählung nahezu alle Wahllokale der Stadt sowie einzelner umliegender Dörfer besuchte, machen: (mehr…)

Vom Frühling in den Winter

Heute sind wir mit unserer kleinen Delegation von Van nach Agri (Ararat, in der gleichnamigen Provinz mit dem bekannten Berg, 5165 Meter) gefahren, um dort die Kommunalwahlen am Sonntag zu beobachten. Die Provinz liegt auf einer kargen Hochebene (1700 Meter), es ist noch Winter. Agri ist die ärmste Region der Türkei. Auf Bitten der Freunde von der kurdischen Partei für eine Demokratische Gesellschaft DTP fahren wir nach Patnos, dort werden wie bei allen bisherigen Wahlen Manipulationen befürchtet, in der Bevölkerung gibt es grosse Angst vor Militär und Polizei.

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Neujahrsfest am 21. März

Am letzten Samstag feierten die Kurden das ursprünglich aus Persien stammende Neujahrs- bzw. Frühlingsfest Newroz (Noruz im İran). Für die Kurden in der Türkei ist dieser Tag seit Mitte der 80er Jahre Anlass für politische Kundgebungen, die in den letzten Jahren sehr gross geworden sind. Bei uns in Diyarbakir war es sonnig und friedlich. Schwer zu sagen ob wirklich eine Million Menschen um uns herum (mitten auf dem Platz, beim Feuer und bei der Regenbogenfahne) waren, aber mehr als 500.000 sind es sicherlich gewesen. Es gab Ansprachen, unter anderem von Leyla Zana und viel Musik. So ein Glück dass ich ganz gerne tanze!

Istanbul, auf der Durchreise

Schwarzer Tee und Bakunin
Kälte und Regen wie in Köln, dafür gleich nach der Ankunft am Montagmorgen eine gute Nachricht: Die in der letzten Woche bei landesweiten Razzien verhafteten Freunde von der ESP („Sozialistische Plattform der Unterdrückten“) sind fast alle wieder freigelassen worden. Ich werde in das neueröffnete Bildungszentrum eingeladen (benannt nach Nazim Hikmet), treffe auf einen Gastreferenten aus Deutschland (längeres Gespräch über die Weltwirtschaftskrise, Robert Kurz, Marx und die grossen Fragen). Ansonsten eine angenehme WG zum mitwohnen und schwarzer Tee bis spät in die Nacht. Ich bekomme die Aufgabe am nächsten Vormittag auf türkisch den Klempner zu empfangen, zur Belohnung gibt es wieder warmes Wasser. Am Dienstag besuche ich Mehmets Familie und dann kommt auch schon der Abflug nach Diyarbakir am Donnerstagmorgen, gerade rechtzeitig zu Newroz, dem kurdischem Frühlingsfest.

2006 in Diyarbakir und Van

Die Fotos auf flickr